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Eigentlich war das FSJ zuerst nur eine Notlösung, ein Überbrückungsjahr und der Versuch einer Bestätigung, ob meine Idee, in Zukunft direkt mit Menschen zu arbeiten, eher idealistisch als realistisch ist. Ich ging mit der Einstellung an das Freiwillige Jahr, dass es doch nur ein Jahr sei, sowas geht doch schnell vorbei.

Und das ging es auch.

Mein FSJ habe ich in einem AWO-Seniorenpflegeheim vom 01.09.2007 - 31.08.2008 gemacht und dachte mir: “Wenn schon soziale Arbeit, dann aber richtig!“ Ja, die Arbeit war anstrengend, nervig, manchmal eklig und auch lang. Nach der Einarbeitungszeit von eigentlich nicht mal einem Monat hatte man zu funktionieren, man war sozusagen fast eine Pflegekraft, wurde dessen selten gewürdigt und war doch unentbehrlich geworden. ABER: ich hatte ebenso Spaß, lernte meine Grenzen kennen, wurde erwachsener und erkannte, was für ein Mensch ich bin. Es hat mich sehr erfüllt, dass sich die Bewohner an mich erinnert haben, dass sie von meiner Anwesenheit und den paar Minuten mehr, die ich ihnen widmete, stets lächelten, besonders die dementen Bewohner oder die Patienten der Pflegestufe 3. Dennoch bin ich  überzeugt, dass dies nicht mehr meine Berufsrichtung ist.

Dieses Jahr bereue ich nicht, denn das Beste habe ich noch nicht erwähnt: Die Seminare!!! Wann hat man schon die Gelegenheit, mit einem Rollstuhl durch Erfurt zu fahren, sich über einen Fluss zu hangeln oder eine Felswand hochzuklettern? Dazu konnte ich mein schauspielerisches Talent beweisen und erleben, wie lang, hart, aber witzig doch ein Kurzfilm sein kann. (Ich wählte Erlebnispädagogik und den Videoworkshop.) Ja, die Seminare waren wirklich das Schönste, da man mit verschiedenen Menschen zusammen kam, mit ihnen arbeiteten konnte und ihnen vertrauen musste. Ich habe dort viele Freunde gefunden, unter anderem meine beste Freundin und Braut, und werde sie alle sowie den vielen Blödsinn, den wir machten, in Erinnerung behalten.

Ich bin wirklich froh und dankbar, sie alle kennengelernt zu haben und mich selbst ein kleines Stück mehr kennen und verstehen zu können. Das Jahr hat mir geholfen, meine beruflichen Wünsche und Vorstellungen zu koordinieren und mich nicht in die erstbeste Ausbildung zu stürzen. Es war von Vorteil zu wissen, wie ich arbeite und was ich kann, besonders in der Bewerbung war dies ein Pluspunkt.

Ob ich ein FSJ empfehlen würde? – Nun ja, wenn man sich erst einmal austesten will um zu wissen, wo denn nun die eigenen Interessen, Grenzen sowie Stärken und Schwächen liegen, dann ja. Wenn man gern mit Menschen arbeitet oder wissen will, ob man das wirklich kann, dann ja. Wenn man sich mit Spaß und Sinn engagieren möchte, dann ja. Wenn man tolle Leute kennen lernen will, etwas lernen will für Beruf und Leben, ohne sich gleich blindlinks in eine Ausbildung zu stürzen, dann ja. Aber wenn man natürlich 100% von seinem Traumberuf sowie seinen Stärken und Schwächen überzeugt ist, dann muss man vielleicht kein soziales Jahr mit viel Arbeit, viel Erfahrung, vielen neuen Leuten und sicherlich viel Spaß durchhalten, sondern kann gleich woanders damit loslegen.

Es gibt immer gute und schlechte Seiten und Jede/r muss selbst wissen, wohin sein Weg sie/ihn führen soll. Für mich gibt es sicherlich einige Gründe, warum ich das FSJ nicht nocheinmal machen würde, aber es gibt sicher 50 Gründe, warum ich es nicht zu bereuen brauche! Ich hoffe für alle, die sich dazu entscheiden, dass sie genauso viel Spaß haben, wie ich es hatte.

Mit ganz lieben Grüßen

Claudia Kühnel*

  *die des Öfteren auf einem Bild oder in einem Video zu finden ist und dank des AK FSJ weiterhin ihren Spaß an den Seminaren haben kann.*